Bericht vom Klimagipfel in Kopenhagen



Ja, wir waren da! Aber eigentlich auch nicht, denn wie viele tausend andere NRO VertreterInnen waren auch wir von der Aussperrung der Zivilgesellschaft betroffen. Nach stundenlangem Anstehen in Eiseskälte konnte eine von uns für einige Stunden in das Bella Center hinein, aber das war es dann auch schon. Am nächsten Tag ging nichts mehr. Dieser Vorgang ist ohne Beispiel.

Das überaus harte Eingreifen der ( auch deutschen ) Polizei schockte auch die Dänen und hinterließ einen sehr bitteren Nachgeschmack.  Will man nun eine Beteiligung der Zivilgesellschaft oder nicht? Ein  Sicherheitsrisiko bestand eher darin, sich eine Lungenentzündung in der Kälte zu holen. Wir haben nur friedliche Menschen gesehen, die aus der ganzen Welt von der UN eingeladen waren und dann vor der Tür stehen gelassen wurden. Viele offizielle Delegierte haben die lebendige, warnende und mutige Abwesenheit der NRO bedauert.

 

Unsere Aktivitäten verlegten sich dann auf das KlimaForum09 und außerhalb des Bella Centers stattfindenden Veranstaltungen, was durchaus nicht weniger lohnend war. Dort konnten wir unser Positionspapier bekannt machen und das Thema Vielfalt positionieren.

 

Es wird unwahrscheinlicher, dass das 2 Gradziel erreicht werden wird. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns alle auf eine noch stärker zunehmende Zahl von Unwettern in Form von Stürmen, Fluten, Dürren, etc einstellen müssen. Die Industrieländer werden dazu in gewissen Grenzen in der Lage sein. Die Länder des Südens stehen vor einem Scherbenhaufen. Letztendlich werden wir alle dafür zahlen, insbesondere die nächste Generation.

Die so genannten Führer der Welt haben versagt. Sie trauen sich nicht, ihre nationalen Interessen hinter ein Globales Interesse zu stellen, egal ob sie aus den USA, China, Kanada oder Südafrika kommen.

 

Das Heil wird weiterhin in technischen Lösungen gesucht. Agrarkraftstoffe, die unterirdische Lagerung von Co2, pfluglose Bodenbearbeitung mit Herbizideinsatz, usw. sollen monetär (Zertifikate Handel) belohnt werden, ohne dass erwiesen ist, dass sie dem Klimaschutz dienen. Dienen tun sie den Firmen, die die nötige Technik dazu herstellen und den Anlageinstitutionen die, ökologisch denkenden Menschen, Investitionsmöglichkeiten in diesen Bereichen anbieten. Sie treiben diese Ideen tatkräftig voran. Kein Zweifel: Wir brauchen neue Ideen, aber im Moment sieht es eher so aus, als wenn die „alten“ nicht so schlecht sind: Nämlich ein schonender Umgang mit allen Ressourcen. Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kopenhagen gehen leider nicht in diese Richtung. Hier muss noch viel von unseren politischen Entscheidungsträgern gefordert werden. Was auch bleibt ist, im privaten Bereich einfach anzufangen: Weniger ist mehr. Langlebige Güter kaufen, Transporte überdenken und anders organisieren, Lebensqualität anders messen z.B. Tempo rausnehmen, mehr Zeit für einander nehmen, Kulturelles höher schätzen als Materielles….

 

Die Frage unserer Ernährung und wie unsere Nahrung erzeugt wird ist für den Klimaschutz von elementarer Bedeutung. Auch das ist in Kopenhagen deutlich geworden: Der Schutz des Bodens als CO2 Speicher wird noch immer nicht ausreichend erkannt. Die organische Substanz ist der bedeutendste Speicher für CO2 und Wasser und ihr Schutz und Ausbau muss im Zentrum jeglichen Ackerbaus stehen. Dafür bietet der organische Landbau die besten Vorraussetzungen. Man kann fast nichts Besseres für das Klima tun, als Bio zu kaufen. Chemische Dünger und Pestizideinsatz schaden der Bodenfruchtbarkeit und damit dem Humusgehalt.

Die Frage ist nicht ob der ökologische Landbau die Welt ernähren kann, sondern ob es der konventionelle kann.

Das Thema Landwirtschaft und Klimawandel wird sehr wichtig bleiben. Die Verknüpfung dieser Themen wird immer deutlicher und benötigt eine kritische Begleitung und Diskussion. Besonders was die „faulen“ Lösungsvorschläge angeht. Da machen wir weiter.

 

Am Ende der UN Klimakonferenz steht ein dreiseitiges Schlussdokument, das so genannte „Copenhagen Accord“.Dies ist nicht verbindlich, sondern nur von allen Staaten (außer Bolivien, Venezuela, Kuba und Nicaragua) zur Kenntnis genommen worden und enthält als wichtige Punkte:

 

1.     Es ist alles zu tun, um die Erderwärmung unter 2°C zu halten.

2.     Es gibt keine verbindlichen Emissionsziele. Allerdings können freiwillige Ziele der Annex 1 Länder und der Schwellenländer bis Ende Januar 2010 noch nachgereicht werden.

3.     Es wird keine unabhängigen Kontrollen der Einhaltung geben, dafür aber internationale Standards für Transparenz.

4.     Marktmechanismen sollen dabei helfen die Ziele zu erreichen

5.     Es wird zusätzliche Finanzierung für Entwicklungsländer geben, insbesondere für REDD-plus und für Anpassungsmaßnahmen: 30 Mrd. von 2010-2012 jährlich und ab 2020 jährlich 100 Mrd..

6.     Bis 2015 soll untersucht werden, ob nicht doch das 1,5 °C-Ziel besser ist.

 

Zu diesen Punkten gibt es noch viele Fragezeichen und es muss im Einzelnen ganz genau geschaut werden welche Mechanismen zur Erfüllung der Ziele angewendet werden. Hinsichtlich von REDD-plus und besonders den Marktmechanismen wie Emissionshandel und Clean Development Mechanism gibt es große Zweifel, ob sie tatsächlich zur Reduzierung von Treibhausgasen beitragen oder nur den Industriestaaten ein weiter wie bisher ermöglichen. Auch bei den Geldern die zusätzlich fließen sollen ist nicht auszuschließen, dass es sich hier um eine Umetikettierung von Geldern der Armutsbekämpfung handelt.

 

 

Und so geht es im nächsten Jahr weiter, um hoffentlich aus den schwachen Anfängen von Kopenhagen ein verbindliches, starkes und gerechtes Klimaabkommen zu schaffen:

 

Im Juni / Juli 2010 findet in Bonn die nächste Klimakonferenz statt, ein Zwischentreffen auf Ministerebene.

 

COP 16 vom 9.11.-10.12.2010 in Mexiko City.

COP17 vom 28.11.-9.12.2011 in Südafrika.